Walter Frosch – Kiezkicker mit Herz

Wenn es einen personifizierten Gegenentwurf zu den Fußballern von heute gibt, dann ist es wohl Walter Frosch. Nie angepasst und immer geradeaus. Alles andere als vernünftig aber auch alles andere als langweilig. Frei nach Helge Schneiders Kultfigur Helmut Körschgen : „Solange man lebt soll man rauchen.“

Hochtalentiert

Der Charakterkopf Walter Frosch wurde am 19. Dezember 1950 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Bei der Arminia aus Rheingönheim begann er mit fünf Jahren Fußball zu spielen. Der talentierte Verteidiger bekam es schon als Knirps mit dem später legendären Manni Kaltz zu tun, der damals bei einem Nachbarverein spielte. Frosch war seinen gleichaltrigen Mitspielern schon so viel voraus, dass er bereits mit 16 Jahren per DFB-Sondergenehmigung in der Amateur-Oberliga spielen durfte.

Seinen ersten Vertrag unterschrieb er mit 19 Jahren, nach seinem Wechsel in die 1. Amateurliga Südwest zum SV Alsenborn. Dort setzte sich der Abwehrspieler sofort durch und wurde Stammspieler. Nebenher arbeitete Frosch noch als Schornsteinfeger. Mit der Einführung der 2. Bundesliga musste Frosch mit Alsenborn zurück in die Amateurliga, da der Verein nicht die wirtschaftlichen Anforderungen für die zweithöchste deutsche Spielklasse erfüllte.

Mehrere Vereine buhlten in der Winterwechselperiode 1974 um die Dienste des aufstrebenden Profis. Frosch unterschrieb einen Vertrag beim Bundesligisten 1.FC Kaiserslautern. Doch ausgerechnet die Lauterer Legende Fritz Walter hatte dem damaligen Bayern-Präsidenten Robert Schwan den jungen Verteidiger ebenfalls empfohlen. In einem kurzen Gespräch überredete Schwan das Defensivtalent zu einem Wechsel nach München. Um den noch bestehenden Vertrag mit Kaiserslautern würde er sich schon kümmern.

Zwar absolvierte Frosch kein einziges Spiel für die Bayern, doch an der Säbener Straße hinterließ er doch einen bleibenden Eindruck. Dem Bayern-Profi Jupp Kapellmann soll er mal eben eine Ohrfeige gegeben haben, als der ihm krumm kam. Selbst vor Trainer Udo Lattek schreckte der selbstbewusste Profi nicht zurück. Als der Bayern-Coach Frosch bei einem Training vor der versammelten Mannschaft kritisierte, lieferte dieser sich ein Wortgefecht mit dem Trainer. Am Ende soll Lattek Frosch angeschrien haben, dass wenn er keine Lust mehr habe, er doch duschen gehen solle. Frosch soll zurück gebrüllt haben: „Mache ich auch“, um dann wutentbrannt in der Kabine zu verschwinden. Als der Streit zwischen den Bayern und Kaiserslautern um seine Spielberechtigung zu eskalieren drohte, verabschiedete sich Frosch kurzerhand in einen Kurzurlaub auf Mallorca.

 Ein echter Charakterkopf – Walter Frosch

Pfälzer Nächte sind lang

Am Ende wechselte Frosch doch nach Kaiserslautern, wo er jedoch erst eine Verbandsstrafe von vier Monaten aussitzen musste. Am 23. November 1974 bestritt Frosch seine erste Bundesligapartie. Bereits 1975/76 war er unangefochtener Stammverteidiger. Im DFB-Pokal erreichte die Mannschaft das Endspiel, unterlag jedoch gegen den Hamburger SV mit 0:2. Lauterns Trainer Erich Ribbeck störte jedoch der unstete Lebenswandel des jungen Spaßmachers. So vergnügte sich Froschi, wie er von seinen Freunden genannt wurde, des öfteren in Bars im Pfälzer Rotlicht-Milieu um. Dort ließen sich auch Vorstandsherren des FCK von netten Damen verwöhnen. Frosch selbst vergnügte sich zur gleichen Zeit mit seiner Freundin, der Besitzerin eines der Etablissements, hinter der Bühne.

Seine Leistungen waren jedoch erstaunlicherweise über jeden Zweifel erhaben und so lud ihn der damalige Trainer der B-Nationalmannschaft Jupp Derwall ein. Frosch lehnte jedoch ab, mit den legendären Worten: „Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Nationalmannschaft oder in der Weltauswahl.“ Einer dieser legendären Sprüche, für die man Froschi einfach lieben muss. Sein Vereinstrainer Erich Ribbeck attestierte ihm, dass wenn er solider leben würde, er noch viel höher spielen könnte. Doch Froschi genoß sein Leben weiter in vollen Zügen. Drei Schachteln Zigaretten rauchte der feierwütige Spieler nach eigenen Angaben jeden Tag – da verkommt Mario Basler im Vergleich zum Musterprofi.

Vor einer Begegnung gegen Schalke schoss er dann komplett den Vogel ab. Als er am Spieltag mit roten blutunterlaufenen Augen auftauchte, versuchte er Ribbeck weiszumachen er habe eine Bindehautentzündung. Später verriet er was wirklich dahinter steckte. Eigentlich hatte er am Vorabend nur vorgehabt mit einigen Freunden beim Griechen „zwei, drei Ouzos zu trinken“. Doch in feuchtfröhlicher Atmosphäre lies er sich auf eine Wette mit seinen Freunden ein. Der Sieger eines 400m-Wettlaufs sollte 10 Liter Bier spendiert bekommen. Dabei erhielten Froschis Freunde 100 Meter Vorsprung. Frosch gewann das Rennen spielend und bei der Bundesligapartie am nächsten Tag spielte Frosch als wäre nichts gewesen.Der Abwehrspezialist entnervte seinen Gegenspieler, den Nationalspieler Kremers, mit seiner aggressiven Spielart so sehr, dass dieser bereits nach 18 Minuten ausgewechselt wurde. Den Verantwortlichen von Kaierslautern wurde es jedoch dann doch zu bunt und sie transferierten ihn im Sommer 1976 in die 2.Bundesliga zum FC St. Pauli.

 Frosch war stets ein Lebemann

Kult am Kiez

Der Kiezklub und Frosch passten von Beginn an wie Arsch auf Eimer. In der Saison 1976/77 gelang der Mannschaft unter Trainer Diethelm Ferner prompt der Aufstieg in die Bundesliga. Dabei blieb die Mannschaft um Abwehrboss Frosch 27 Spiele ohne Niederlage. Zu Beginn der folgenden Saison fiel Frosch jedoch monatelang aus und der Verein stieg am Ende der Saison wieder in die zweite Liga ab. Zwar spielte die Mannschaft eine ordentliche Zweitligasaison, doch aufgrund von finanziellen Problemen musste schon wieder eine Mannschaft von Froschi zwangsabsteigen. In der Saison 1980/81 dominierte St.Pauli die Amateuroberliga Nord und wurde Meister, jedoch durfte kein Oberligist in die neu eingeführte eingleisige Bundesliga aufsteigen.

Berühmtheit erlangte Frosch auf St.Pauli auch durch die hohe Anzahlt von gelben Karten, die er sammelte. In der Saison 1976/77 kassierte er sage und schreibe 19 gelbe Karten. Als Reaktion auf diese Kartenflut führte der DFB die automatische Spielsperre nach vier (heute fünf) gelben Karten ein. Bis dahin gab es keinerlei Begrenzung. Dabei spielte der Wuschelkopf mit dem Walross-Schnauzer immer hart, jedoch fast nie wirklich unfair.

Nach einem Trainerwechsel, mit dem eine Verjüngung des Teams einherging, wechselte Froschi zur Saison 1982/82 zum Altonaer FC. Nach einer erfolgreichen Zeit, mit einem Aufstieg in die Oberliga Nord, beendete Frosch 1985 seine aktive Karriere. Doch auch nach seiner Spielerkarriere blieb er dem Kiez erhalten und eröffnete eine Kneipe. „Mein schwerster Gegner war immer die Kneipe. Früher, als Aktiver, habe ich vor dem Tresen gekämpft, heute kämpfe ch hinter dem Tresen“, fasste der Kultkicker seine bewegte Karriere einst zusammen. Für einen Schmunzler war er immer noch gut. So stand Frosch in den 90ern bei dem Abschiedsspiel für Klaus Thomforde mit einer Zigarette auf dem Rasen des Millerntor-Stadions. Bei einem Tag der Legenden in den 2000er Jahren ließ er sich mit einer Zigarettenschachtel im Stutzen interviewen.

Legenden sterben nie

2010 wurde Frosch von Lesern des Hamburger Abendblatts in die Jahrhundertelf des FC.St. Pauli gewählt. Seinen letzten großen Kampf gegen den Krebs verlor Froschi nach einer langen Leidenszeit und verstarb am 23. November 2013. Seine ehrliche und bodenständige Art bleibt jedoch unvergessen, so soll er nachdem ihm der Krebs den Kehkopf bereits zerfressen hatte gesagt haben: „Ich würde lieber eine rauchen als zu vögeln.“ Ein Mann mit Ecken und Kanten und ein Vorbild auf seine ganz eigene Art und Weise. Auf dich, Froschi!

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