Rene Higuita – The Scorpion King

Wenn wir von spektakulären Fußballern sprechen, dann kommen wir nicht umhin Jose Rene Higuita zu erwähnen. Kaum ein anderer Spieler hat die Fußballfans rund um diese Welt derart in Verzückung versetzt wie die Torhüterlegende aus Kolumbien. 52 Tore als Torwart sprechen eine deutliche Sprache.

Am 28. August erblickte Higuita in einem Armenviertel von Medellin das Licht der Welt. Seine Mutter lebte allein und starb nur wenige Jahre nach seiner Geburt. So wuchs Higuita bei seiner Großmutter Ana Felisa auf. Bereits im Kindesalter musste der Junge als Zeitungsverkäufer arbeiten um über die Runden zu kommen.

Beginn einer großen Karriere

Schon früh entdeckte Rene seine Liebe zum Fußball. In seiner Schulzeit war er ein gefürchteter Torjäger. Doch das Schicksal hatte eine andere Position für ihn vorgesehen. Just an dem Tag als Scouts von Independiente Medellin die Schule besuchten, verletzte sich der Torhüter des Teams und Higuita sprang für ihn ein. Higuita überzeugte und sollte in Zukunft immer die Pfosten hüten, wenn auch auf seine sehr eigene offensive Art und Weise.

Seine Profikarriere begann Higuita im Jahre 1985 jedoch nicht bei Independiente, sondern bei CD Los Millionarios. Bereits dort beeindruckte er durch seine herausragenden Fähigkeiten als Freistoß- und Elfmeterschütze und kam in einer Saison in 16 Spielen auf 5 Tore. Higuita, der neben seinen fußballerischen Fähigkeiten auch durch seinen beeindruckenden Lockenkopf auffiel, geriet schnell in den Fokus des großen Atletico Nacional. Der angesehene Verein aus Medellin sicherte sich den aufstrebenden Star bereits für die kommende Saison.

Bei Atletico Nacional hatte Higuita die erfolgreichste Zeit in seiner gesamten Karriere. Den Höhepunkt stellte dabei der Sieg der Copa Libertadores im Jahr 1989 dar. Im Elfmeterschießen des Finales gegen den paraguayischen Vertreter Olimpia Asuncion hielt Higuita sage und schreibe vier Elfmeter und verwandelte einen selbst.

Aberglaube

Auf dem Weg zum Finale hatte Atletico im Viertelfinale mit den Millionarios aus Bogota einen echten Brocken aus dem Weg geräumt. Atletico hatte seit ewigen Zeiten nicht mehr gegen die Männer aus der Hauptstadt gewonnen und so besuchte Higuita zusammen mit seinem Teamkollegen Carlos Perea vor der Begegnung eine Wahrsagerin. Die Wahrsagerin berichtete den beiden, dass ein Fluch auf ihrer Mannschaft liege und sie diesem Fluch nur entringen könnten, wenn sie gegen die stets blau gekleideten Millionarios selbst blaue Unterwäsche tragen würden. Die beiden setzten die Anordnung um und besiegten die Erzrivalen. Seit diesem Spiel trug Higuita in jeder weiteren Partie seiner Karriere blaue Unterwäsche.

Nach einem missglückten Gastspiel in Spanien in der Saison 1992/93 heuerte Higuita wieder bei seinem Stammverein Atletico an. Doch an die großen Erfolge konnten er und das Team nie mehr anknüpfen. Mit seinem Wechsel 1997 zu CD Veracuz begann Higuitas Zeit als sportlicher Wandervogel. Er spielte bis zu seinem Karriereende im Alter von 43 Jahren im Jahre 2010 noch bei zehn unterschiedlichen Vereinen in Mexiko, Ecuador und Venezuela.

Nationalmannschaft

Higuita bestritt insgesamt 68 Länderspiele für Kolumbien und erzielte drei Tore. Sein größter Auftritt auf der Bühne des Weltfußballs war die WM 2010 als er gemeinsam mit Carlos Valderama Kolumbien bis in die KO-Phase brachte. Dort wurde er jedoch zum tragischen Helden. Higuita war schon immer dafür bekannt spektakuläre Ausflüge mit dem Ball aus dem eigenen Strafraum zu wagen. Im Achtelfinale fand Higuita bei einem Dribbling in der Nähe der Mittellinie im Kameruner Stürmer Roger Milla seinen Meister. Die Kameruner Legende luchste Higuita den Ball ab und konnte im Anschluss den Ball zum vorentscheidenden 2:0 ins Tor schieben. Kolumbien gelang nur noch der Anschlusstreffer und schied aus dem Turnier aus.

Doch sein Selbstvertrauen verlor Higuita nie. Gott sei dank. Sonst wäre uns wohl allen eine der schönsten Aktionen der Fußballgeschichte verwehrt geblieben. Bei einem Freundschaftsspiel 1995 gegen England im Londoner Wembley-Stadion parierte Higuita einen Schuss von Jamie Redknapp. Doch benutze Higuita dabei nicht seine Hände, sondern ließ das Leder über sich hinwegsegeln, nur um es dann auf spektakuläre Art per Hechtsprung mit den Hacken ins Feld zurück zu bugsieren. Der Skorpion-Kick war geboren. User der englischen Webseite footy-boots wählten diese Aktion 2008 zum schönsten Fußballtrick aller Zeiten. Für solche Aktionen wurde Higuita von seinen Fans liebevoll „El Loco „ , also der „Verrückte“ genannt.

Probleme mit Kokain

Higuitas Karriere geriet mehrmals ins Wanken. 1991 besuchte er den inhaftierten Drogenboss Pablo Escobar im Gefängnis und bezeichnete ihn öffentlich als einen Freund. Zwei Jahre später musste Higuita selbst für sechs Monate ins Gefängnis. Er hatte widergesetzlich bei Verhandlungen mit Geiselnehmern eingegriffen und ein Lösegeld ausgehandelt, für eine entführte Tochter eines Freundes. Nach dem El Loco in Hungerstreik ging und zahlreiche Fans protestierten wurde er freigelassen. Higuita fordert noch immer eine Entschädigung vom Staat für diese aus seiner Sicht unberechtigte Haftstrafe.

Nach einem Ligaspiel im September 2002, wies die Dopingprobe Higuitas Rückstände von Kokain auf und der Torhüter wurde vom kolumbianischen Verband gesperrt. 2004 wurden bei einer anderen Dopingprobe erneut Kokainreste entdeckt und Higuita wurde als Torwarttrainer der ecuadorianischen Nationalmannschaft beurlaubt.

Seine Sucht nach Rampenlicht trieb Higuita auch abseits des Rasens in so manches Fettnäpfchen. So nahm er 2005 an einer Version von Survior teil und bei der Sendung „Cambio Extremo“ (=völliger Wandel) wurden an ihm zahlreiche Schönheitsoperationen unternommen , darunter Lippenaufspritzen, Kinnvergrößerung sowie Zahn-, Mund- und Kieferchirurgie.

Trotz all seiner Eskapaden ist El Loco in Kolumbien noch immer ein Volksheld. Der Fuballwelt hat er mit Sicherheit einige atemberaubende Momente beschert und dafür können wir nur sagen: Gracias !

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