Roberto Carlos – The Bullet Man

Der Brasilianer Roberto Carlos gilt als einer der athletischsten Fußballer die es je gab. Kein anderer Spieler verkörperte Ausdauer, Geschwindigkeit und Kraft so eindrucksvoll wie die Legende von Real Madrid.

Laufwunder aus Brasilien

Roberto Carlos da Silva Rocha wurde am 10. April 1973 in Garce, Sao Paulo, geboren. Seine Familie war arm und so musste der kleine Carlos schon sehr früh auf dem Hof der Eltern mithelfen und schwere Landwirtschaftsmaschinen ziehen. Ein Auto besaß die Familie auch nicht und so legte Carlos die meisten Strecken auf seinem Fahrrad zurück. Kein Wunder also, dass Roberto Carlos schon schnell über eine extrem starke Beinmuskulatur verfügte. Später verglich BBC Roberto Carlos Oberschenkel mit denen der Boxlegende Muhammad Ali in dessen besten Zeiten. Bei beiden wurde ein Oberschenkeldurchmesser von 60 Zentimetern gemessen. Bei Carlos wirkten die Oberschenkel jedoch noch ungleich wuchtiger, da der Brasilianer nur 1,68 Meter groß war.

Seine Jugend verbrachte der wieselflinke Spieler bei dem kleinen Verein Uniao Sao Joao. Bereits mit 19 Jahren wurde er in die Brasilianische Nationalmannschaft berufen. Damals wurde der offensivstarke Carlos noch oftmals im offensiven Mittelfeld und Sturm eingesetzt. Im August 1992 wechselte er auf Leihbasis zu Atletico Mineiro. Während sich die Stammelf von Mineiro auf die anstehende Copa vorbereitete, durfte Roberto Carlos an einer Europa-Tour mit dem B-Team teilnehmen. In einigen Freundschaftsspielen konnte der junge Brasilianer die ersten Erfahrungen weit weg von Zuhause sammeln. Seine guten Auftritte hinterließen bei einigen Managern einen bleibenden Eindruck.

1993 wechselte Roberto Carlos in der brasilianischen Liga zu Palmeiras und gewann mit dem Traditionsklub zwei Ligatitel in Folge. 1995 war die Zeit gekommen nach Europa zu wechseln. Viele Vereine rangen um den vielversprechenden Kraftprotz. Den Zuschlag bekam am Ende Inter Milan. Die Nerazurris wurden damals von Roy Hodgson trainiert. Unter dem Briten konnte sich Carlos jedoch nicht so recht entfalten. Entweder wurde er als konservativer linker Außenverteidiger eingesetzt und durfte dabei die Mittellinie kaum überschreiten, oder wurde er als Flügelstürmer eingesetzt. Für das Spiel des Brasilianer war es wichtig viel Raum vor sich zu haben, um seine große Schnelligkeit und Ausdauer auszuspielen. Die 100 Meter absolvierte der Flügelflitzer unter 10,6 Sekunden. Um seine Karriere richtig in Gang zu bringen musste Carlos weg aus Italien.

Roberto Carlos Schlug bei Real ein wie eine Bombe 

Königliche Zeit

Für umgerechnet schlappe 4 Millionen Euro wechselte der Brasilianer nach nur einer Saison 1996 zu Real Madrid. Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis gab es bei den Königlichen nie. Bereits in seiner ersten Saison sicherte er sich seinen Stammplatz als linker Verteidiger und gab ihn für über ein Jahrzehnt nicht wieder her. 1997 wurde Roberto Carlos als Abwehrspieler Zweiter in der Wahl des Weltfußballers. Viele Stars kamen und gingen, doch Roberto Carlos war die Konstante bei den Galaktischen. Der Spieler mit der Rückennummer 3 erzielte in 584 Spielen für die Königlichen 71 Tore. Dabei demonstrierte er immer wieder seine außergewöhnliche Schusstechnik. Carlos gelang es wie keinem anderen extreme Schussgewalt mit feiner Technik zu kombinieren. Eines dieser unmöglichen Tore erzielte er im Pokalspiel gegen Tenerifa. Der Linksfuß schoss dabei quasi von der Torauslinie mitten rein ins Vergnügen.

In seiner äußerst erfolgreichen Zeit bei Real gewann Carlos vier La Liga-Titel und erreichte vier Mal das Champions-League-Finale. Dabei verließen die Königlichen drei mal den Platz als Sieger. Im Finale 2002 bereitete Roberto Carlos mit einer sehenswerten Flanke das traumhafte Siegtor durch Zinedine Zidane vor. Der offensivstarke Brasilianer prägte in dieser Zeit das neue Bild eines modernen Außenverteidigers. Unermüdlich rannte der Brasilianer die Linie auf und ab und vernachlässigte trotzdem nicht seine defensiven Aufgaben. In den Jahren 2002 und 2003 wurde er von der UEFA zum Verteidiger des Jahres gewählt. 2003 gelang dem Brasilianer im Clasico gegen Barcelona der Führungstreffer und er half dabei den ersten Sieg für die Königlichem im Camp Nou seit 20 Jahren zu erringen. 2005 legte er sich neben der brasilianischen auch die spanische Staatsbürgerschaft zu. Somit konnten die Königlichen wieder einen zusätzlichen Nicht-Europäer in ihr Team integrieren.

 Bei den Galaktischen war Roberto Carlos Teil eines der legendärsten Teams aller Zeiten

Stammspieler der Selecao

Auch in der Nationalmannschaft war Roberto Carlos absoluter Stammspieler. Von 1992 bis 2002 absolvierte der Linksfuß 125 für die Selecao. Bei der WM 1998 mussten sich die Brasilianer im Endspiel gegen Frankreich noch geschlagen geben, ehe sie im Finale 2002 gegen das deutsche Team gewannen. Bei beiden Endrunden wurde Roberto Carlos in die Elf des Turniers gewählt. Auch die Copa America konnte der Brasilianer 1997 und 1999 gewinnen. Nach der verkorksten WM 2006 verkündete der Dauerbrenner seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.
Zusammen mit Cafu ist er der einzige Spieler , der in sechs Endspielen(Copa America 1995, 1997 und 1999, Confed-Cup 1997 und Weltmeisterschaft 1998 und 2002) stand.

Bei einem Vorbereitungsturnier für die WM 1998 in Frankreich erzielte der legendäre Distanzschütze eines der schönsten Freistoßtore der Fußballgeschichte. Am 3. Juni 1997 landete sein Freistoß mit viel Effet und einer sehr ungewöhnlichen Flugbahn neben dem verdutzten französischen Torhüter Fabein Barthez. Im Jahr 2010 wurde der Schuss von der Ecole polytechniques in Paris analysiert. Es wurde festgestellt, dass Carlos den Ball mit einer sehr seltenen Kombination aus Härte und Effet getroffen hatte und so dafür sorgte, das der Ball für kurze Zeit eine spiralförmige Flugbahn annahm. Der Brasilianer hatte mit diesem Schuss also nicht nur den Franzosen ein Ei gelegt, sondern auch der Schwerkraft ein Schnippchen geschlagen.

Reise um die Welt

2007 verließ die brasilianische Legende die spanische Liga und wechselte in die Türkei zu Fenerbahce. Kein anderer Spieler, der nicht in Spanien geboren wurde, sammelte mehr Einsätze für die Königlichen. Als bei einer Umfrage der Marca, der beste nicht-spanische Verteidiger in der Geschichte des Vereins gesucht wurde, erhielt Roberto Carlos mehr als dreimal so viele Stimmen wie der Zweitplatzierte. Mit Fener gewann Roberto Carlos 2007 und 2009 den türkischen Supercup.

Es folgte von 2010-2011 ein kurzes Gastspiel in der heimischen Liga bei Corinthians Sao Paulo, zusammen mit seinem langjährigen Freund und Teamkollegen Ronaldo. Nach nur einer Saison wechselte Roberto Carlos, dem Ruf des Geldes folgend, zu dem russischen Emporkömmling Anschi Machatschkala. Zwar ließ dort der Besitzer des Vereins schon mal zum Geburtstag einen Bugatti Veyron Sportwagen im Wert von 1,8 Millionen Euro springen, jedoch musste sich Roberto Carlos wiederholt rassistischen Beleidigungen aussetzen.

Bereits im März 2011 wurde beim Auswärtsspiel eine Banane in Richtung des Brasilianers geworfen und im Juni wiederholte sich der Vorgang beim Spiel gegen Krylia Sovetov Samara. Der 38-Jährige sammelte die Frucht auf und schmiss sie neben das Feld, ehe er selbst das Feld frühzeitig verließ. Am 1. August 2012 gab Carlos auf einer Pressekonferenz offiziell das Ende seiner aktiven Laufbahn bekannt.

 In Russland wurde Roberto Carlos nicht glücklich

Wieder angekommen

Der Dauerläufer des Weltfußballs arbeitet mittlerweile wieder bei seinem Herzensverein Real Madrid. Als Jugendtrainer fungiert er als Bindeglied zwischen dem Nachwuchsbereich und dem ersten Mannschaft unter seinem ehemaligen Mitspieler Zinedine Zidane. Sind wir also gespannt ob auch hier die Zusammenarbeit der Galaktischen Früchte tragen wird.

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