Le Tissier – Mr. Traumtor

Wenn du noch nie in dieser Youtubevideoschleife gefangen warst, in der du dir Traumtore aus der Geschichte des Fußballs angeschaut hast, dann hast du den Fußball wohl nie geliebt. Und du hast wahrscheinlich noch nie etwas von Matt Le Tissier gehört. Dabei war der Brite einer der begnadetsten Fußballer der 90er.

Inselbewohner

Matthew Le Tissier wurde am Oktober 1968 in der kleinen Stadt Guerney geboren. Guerney liegt auf einer kleinen Insel im Ärmelkanal. Obwohl die Insel näher an Frankreich liegt, gehört sie zum Vereinigten Königreich. Bei seinem Heimatverein Vale Recreation wurde schnell deutlich über welche außergewöhnliche Fähigkeiten Matt verfügte. So war er schon zu seiner Schulzeit dafür bekannt Eckbälle direkt ins Tor zu zirkeln. Mit 15 Jahren durfte Matt bei Oxford United vorspielen, konnte sich jedoch noch nicht durchsetzen.

1985 wurde er vom damaligen Erstligist Southampton unter Vertrag genommen. Sein Debüt für die Profis feierte der junge Spieler am 2.September 1986. In seiner ersten Saison erzielte Le Tissier 6 Tore in 24 Einsätzen, darunter ein Hattrick gegen Leicester City. Es folgte eine eher schwache Saison, ehe ihm in der Saison 1988/89 9 Tore in 28 Ligaspielen gelangen.

Durch seine Spielweise spielte sich der Offensive Mittelfeldspieler schnell in die Herzen der Fans. Le Tissier galt in seiner gesamten Karriere als ziemlich lauffaul. Dieses Defizit machte er jedoch durch seine exzellente Technik und Übersicht wett. Ob er seine Mitspieler mit millimetergenauen Flugbällen in Szene setzte oder mit gewaltigen Distanzschüssen den englischen Torhütern das Fürchten lehrte, stets profitierte der schlaksige Spieler von seiner Beidfüßigkeit. Die Anhänger gaben dem Briten schnell den Spitznamen „Le God“.

 Le Tissier hatte eine ausgezeichnete Schußtechnik

Vereinslegende

In der Saison 1989/90 explodierte Le Tissier regelrecht. Ihm gelangen 20 Treffer und er führte Southampton bis zu einem siebten Tabellenplatz. Nach dem Ende der Saison wurde er als bester junger Spieler der Saison ausgezeichnet. Auch in den folgenden Jahren traf Le Tissier in der Liga stets zweistellig. Le Tissiers Leistungen blieben natürlich nicht lange unbemerkt. Selbst der große Xavi hat vor kurzem verraten, dass Le God einer seiner großen Idole war. Den Spanier hatte fasziniert wie Le Tissier seine Gegenspieler reihenweise austanzte, ohne über viel Tempo und Kondition zu verfügen. Viele großen Vereine darunter Manchester United, AC Milan und die Tottenham Hotspur wollten folglich Le Tissier zu sich holen. Doch der feine Techniker blieb seine Saints immer treu. Durch seine Tore wurde Le Tissier zur Lebensversicherung von Southampton, die zum Ende des Jahrzehnts in mehreren Saisons knapp vor dem Abstieg verschont blieben.

Seine wohl beste Saison spielte der exzellente Freistoßschütze 1993/94, als er 25 Tore in der Liga erzielte, obwohl Southampton nur 18. wurde. Nur Andy Cole und Alan Shearer waren in dieser Saison in der Premier League noch erfolgreicher. Im folgenden Jahr erzielte Le Tissier eines dieser Tore, wie nur er sie schießen konnte. Beim Spiel gegen Blackburn bekam er kurz hinter der Mittellinie den Ball, tanzte mehrere Gegenspieler aus und jagte den Ball aus 30 Metern links oben ins Eck. Am Ende der Saison wurde das Tor natürlich zum Tor des Jahres gewählt.

International ohne Erfolg

In der Nationalmannschaft hatte Matt stets einen sehr schweren Stand. Ob es daran lag, dass er auf einer Insel im Ärmelkanal und nicht auf dem Festland aufwuchs oder daran, dass er nicht das typisch athletische Spiele der Engländer verkörperte, kann man schwer sagen. Lediglich acht Einsätze für die Three Lions kann Le Tissier für sich verbuchen. Als Le Tissier auch bei der WM 1998 von Nationaltrainer Glenn Hoddle nicht berücksichtigt wurde, ging etwas in Le Tissier zu Bruch. In der Folge konnte er nach eigenen Aussagen, nie wieder an seine alte Form anknüpfen. Dabei hätte er der Mannschaft besonders bei den großen Turnieren gut getan. Denn, gar nicht typisch britisch, war Le God ein exzellenter Elfmeterschütze. Von 49 getretenen Elfmetern verwandelte er sensationelle 48. Statistisch gesehen noch immer die beste Elfer-Quote in der Premier League.

Abgang mit Traumtor

Sein letztes Tor in einem Pflichtspiel für Southampton war, wie sollte es anders sein, ein weiteres Traumtor. Beim letzten Spiel im altehrwürdigen Stadion „The Dell“ in Southampton am 19. Mai 2001 gegen den FC Arsenal zeigte der Brite wieder seine enorme Schusskraft. Im März 2002 verkündete der von Verletzungen geplagte Edeltechniker sein Karriereende. Mit 162 Toren liegt Le Tissier hinter Mick Channon auf dem zweiten Rang der ewigen Torschützenliste des FC Southampton. Zu seinem Abschiedsspiel strömten 32.000 Zuschauer in Stadion um noch einmal ihrem Gott ganz nah zu sein.

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