George Best – Der fünfte Beatle

Der nordirische Flügelflitzer George Best war der erste Popstar des Fußballes. Während seiner Zeit bei Manchester United tanzte er seine Gegenspieler reihenweise aus. Seinen ärgsten Widersacher, den Alkohol, konnte er jedoch nie abschütteln.

Belfast Boy

George Best wurde am 22.Mai 1946 in Nordirlands Hauptstadt Belfast geboren. Sein Vater Dickie arbeitete als Hafenarbeiter und seine Mutter war eine ehemalige Hockeyspielerin. Von ihr erbte er seine Leidenschaft für Sport. Bei Geordie, wie ihn seine nordirischen Landsmänner nannten, drehte sich jedoch alles um Fußball. Jede freie Minute kickte er mit seinen Freunden, zumeist auf der Straße. Dabei legte der schmächtige Junge schon früh wert darauf, mit beiden Füßen gleich stark zu sein. Dabei behalf er sich mit einem Trick. Mit seinem rechten Fuß war er zu Beginn ein kleines bisschen stärker und so zog er beim Kicken auf dem Rasen öfters einen Turnschuh an seinem rechten Fuß und einen Fußballschuh an seinem Linken. So benutzte er intuitiv immer öfter auch seinen Linken.

Aufgrund seiner schmalen Statur musste er sich mit anderen Mitteln behaupten und so legte George schon in jungen Jahren seinen Spielstil fest. Keiner führte den Ball enger am Fuß und ließ seine Gegenspieler mit solch geschickten Körpertäuschungen immer wieder ins Leere laufen. Bei seinem ersten Verein Cregagh Boys Club lobten seine Trainer zwar seine technische Fähigkeiten, trauten dem Jungen jedoch nicht zu, sich gegen die toughen Gegenspieler durchzusetzen. Doch da hatten sie die Rechnung ohne die Willensstärke von Geordie gemacht.

 George Best in jungen Jahren

Genie entdeckt

Schnell sprach sich auf der Insel herum, dass da in Belfast ein unglaubliches Talent schlummerte. Im Alter von 15 Jahren wurde Best vom legendären Talentscout von Manchester United Bob Bishop entdeckt. In einem Telegramm schickte dieser dem damaligen Trainer der Red Davils, Matt Busby, die später berühmte Nachricht: „Ich denke, ich habe für dich ein Genie entdeckt.“ Ohne den Jungen je selbst spielen gesehen zu haben, wollte Busby das Talent unbedingt haben. Als Bishop zur Familie Best kam um George ein Angebot zu unterbreiten, war George gerade nicht da. Natürlich spielte er mit seinen Freunden irgendwo auf den Straßen von Belfast eine Runde Fußball. Seine Mutter holte den Jungen nach Hause und nach nur wenigen Minuten war klar, dass George zusammen mit seinem Mitspieler Eric McMordie zu einem Probetraining nach Manchester kommen sollte. Nach dem Gespräch kehrte George zu seinen Fußballfreunden zurück und erzählte freudestrahlend davon, dass er ins große Manchester reisen würde.

In Manchester angekommen hatten die beiden jedoch nach nur einem Tag Heimweh und flohen zurück nach Belfast. Nach einem langen Telefonat von Georges Vater und Trainer Busby kehrte Best wieder zurück nach Manchester. Busby sollte für Best später zu einer Art zweitem Vater werden.

 Best wusste sich schon immer auch abseits des Rasens zu beschäftigen

Senkrechtstarter

Zurück in Manchester überzeugte Best von Anfang an bei den Trainingseinheiten und wurde von Busby langsam an das erste Team herangeführt. George ließ sich auf dem Platz von großen Namen nie verunsichern und spielte so unbekümmert als wäre alles nur ein Freundschaftskick auf seinen geliebten Straßen von Belfast. Bei einem Trainingsspiel auf kleine Tore, schießt er gegen den damaligen Torwart der ersten Mannschaft Harry Gregg, bei drei Schüssen aufs Tor drei Treffer. Nach dem dritten Treffer schreit ihm Gregg entgegen: „Wenn du noch einmal triffst dann breche ich dir das Genick:“ Die beiden wurden später gute Freunde.

Sein erstes Spiel für die Profis bestritt Best am 14. September 1963 beim 1:0-Sieg gegen West Bromwich Albion. Als Rechtsaußen spielte der Nordire seinen Gegenspieler Graham Williams Knoten in die Beine. Jahrzehnte später flachste Williams in einer britischen TV-Sendung: „Zeigt mir endlich mal ein Foto von dem Kerl, ich habe damals immer nur seinen Arsch gesehen.“ Zwei Wochen später erzielte Best beim Spiel gegen den FC Burnley sein erstes Tor für die Red Devils. Kurz vor dem Spiel gegen Burnley war Best eigenmächtig nach Belfast gereist. Sein Team flog ihn pünktlich zur Partie wieder ein. Nach der Partie reiste Best unverzüglich zurück nach Belfast um mit seinen Jungendfreunden den Erfolg gebühtend zu feiern. Trainer Busby ließ ihm diese Freiheiten und auf dem Platz zahlte Best zurück. Insgesamt kam er in seiner ersten Profisaison auf sechs Tore und United belegte, hinter Erzrivale Liverpool den zweiten Platz in der Meisterschaft.

In der folgenden Spielzeit gewann Best mit Manchester United seine erste Meisterschaft und war mittlerweile fester Bestandteil der Mannschaft. Einen Gala-Auftritt legte Geordie dabei beim Spiel gegen den FC Chelsea hin. Vor 60.000 Zuschauern in der Hauptstadt brachte er seine Gegenspieler mit aberwitzigen Sololäufen in den Wahnsinn und erzielte ein Tor, wie es nur echte Schlitzohren können. Bei einem Rückpass von Hinton auf Chelseas Torhüter Bonetti, mogelte sich der flinke Nordire dazwischen und schob den Ball ins Netz. Ein solches Ausmaß an Kreativität, Dreistigkeit und Mut hatte das Londoner Publikum noch nie gesehen. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten sie den neuen Star am britischen Fußballhimmel.
Langsam aber sicher wurde Best zu einer Art Popstar. Vor Best war es nicht unbedingt cool ein Fußballspieler zu sein. Mit Best interessierten sich ganz neuen Zuschauerschichten für den Ballsport. Best war der Gegenentwurf zum klassischen, disziplinierten Fußballer mit aalglatter Gehorsamkeit. Der Nordire verkörperte den neuen Way of Life, das Aufbegehren gegen das Establishment. Die Subkulturen Pop und Fußball begannen miteinander zu verschmelzen.

 George Best hatte mit beiden Füßen einen harten Schuss

Holy Trinity

Zusammen mit seinen kongenialen Mitspielern Bobby Charlton und Dennis Law, bildete George Best die legendäre „Holy Trinity“. Auf dem Platz harmonierten die drei wie kaum ein anderes Trio in der Geschichte des Fußballs. Die Bedeutung der drei für den Klub lässt sich in deren Statue vor dem Old Trafford erahnen. Abseits des Rasens gerieten der konservative Charlton und Best immer wieder aneinander. Charlton warf Best seinen unsteten Lebenswandel vor und hatte damit nicht unrecht. Doch auf dem Platz lieferte Best immer noch absolute Topleistungen ab und so ließ Busby seine Spieler an der langen Leine.

Einen Kumpan im Manchester Nachtleben fand Best nicht in den eigenen Reihen sondern ausgerechnet beim Lokalrivalen Manchester City. Stürmer Mike Summerbee war wie Best Junggeselle und so zogen die beiden gemeinsam um die Häuser. Anfänglich schämten sich die beiden noch für ihren Dialekt und trauten sich nicht auf Damen zuzugehen. Doch mit dem steigenden Bekanntheitsgrad, legten die beiden, stets top modern gekleideten, Jungs jegliche Zurückhaltung schnell ab und ließen nichts anbrennen. Der Alkohol war dabei ein ständiger Begleiter, doch noch hatte Best die Sache halbwegs im Griff.

Natürlich erfuhr der bestens vernetzte Trainer Busby von den nächtlichen Eskapaden seines Lieblingsschülers. Der Ziehvater versuchte Best ins Gewissen zu reden, doch die gut gemeinten Ratschläge prallten an Best ab, wie die Tacklings seiner Gegenspieler. Mit seinem Buddy Summerbee eröffnete Geordie den Herrenausstatter „Edwardia“. Die Geschäfte liefen anfänglich ganz gut. Summerbee entwickelte mit der Zeit ein ernsthaftes Interesse an Mode und ist heutzutage als Hersteller von maßgeschneiderter Hemden erfolgreich. Für das ewige Kind Best war das Geschäft, wie er später sagte, nur ein Lockmittel für junge willige Damen. Es folgten noch weitere Investments in Herrenausstatter und Nachtclubs, die sich im Nachhinein als schlechte Entscheidungen herausstellten.

 Die Statue vor derm Old Trafford erinnert noch heute an die glorreichen Zeiten in den 60ern

Internationaler Star

International sorgte Best erstmals 1966, beim Viertelfinal-Rückspiel des europäischen Landesmeisterwettbewerbs, gegen Benfica Lissabon für Furore. Mit zwei Toren in den ersten zehn Minuten, legte er das Fundament für einen grandiosen 5:1-Erfolg. Nach seinem Auftritt wurde er von der Presse als „El Beatle“ gefeiert. Durch seine langen Haare und seinen extravaganten Lebensstil wurde er zu einer Art „fünftem Beatle“. Durch Auftritte bei Top of the Pops und zahlreiche Werbedeals unterfütterte er dieses Image. Doch die immer größer werdende Aufmerksamkeit begann den Nordiren zu erdrücken.

Auf dem Platz lief jedoch immer noch alles wie am Schnürchen. In der Saison 1966/67 gewann Best mit United seine zweite Meisterschaft. In der folgenden Saison erklomm die Mannschaft endgültig den Gipfel des europäischen Fußballs und gewann den europäischen Landesmeisterwettbewerb. Dabei traf Best in jeder Europapokalrunde. Im Finale gegen Benfica Lissabon brachte Best seine Mannschaft in der Verlängerung mit seinem Treffer zum 2:1 auf die Siegerstraße. Die Mannschaft gewann gegen völlig entkräftete Portugiesen schließlich mit 4:1. Best wurde nach der Saison zu Englands Fußballer des Jahres und zusätzlich zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Best war am Gipfel angekommen und das mit 22 Jahren. Von hier an ging es sportlich stetig bergab.

Abstieg vom Olymp

Das Nachtleben hatte Best immer mehr in seinen Bann gezogen. Best verdiente gutes Geld und verprasste es so schnell er nur konnte. In nur einem Jahr kaufte sich Goardie drei schneeweiße Jaguars. Seinem Papa Dickie, Zeit seines Lebens größter Fan seines Jungen, spendierte er einen eigenen Fish-and-Chips-Shop. Mit seinem Kumpel Summerbee teilte er sich für ihre One Night Stands ein Appartement. 1970 leistete er sich dann ein hochmodernes Haus, inklusive versenkbarer Badewanne und hohen Panoramafenstern. Später fasste er sein Leben selbst in dem mittlerweile legendären Satz zusammen: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“

Im Jahr 1970 huldigte der deutsche Filmemacher Hellmuth Costard Best in einem filmischen Experiment. Beim Spiel gegen Coventry City filmte der Deutsche einzig und allein Best. Als der Dokumentarfilm mit über 90 Minuten Länge im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, beschwerten sich zwar viele über die verschwendete Sendezeit, doch Best war Kunst geworden.

Alkohol übernimmt Kontrolle

Best wurde zum Prototypen des extrovertierten Fußballers. Bald hatten fast alle englischen Profivereine einen dribbelstarken, modebewussten Spieler in ihren Reihen. Doch alle waren nur eine schlechte Kopie des Originals. Doch auch das Original verlor immer mehr an Strahlkraft. Trainer und Mentor Busby hatte nach dem Triumph im Landesmeisterwettbewerb seinen Rücktritt verkündet und Best verlor damit den Halt den er unbedingt benötigte. Immer öfter erschien er betrunken beim Training und bald durfte er bei den Jugendlichen mittrainieren, da diese erst am Nachmittag dran waren und er so seinen Rausch ausschlafen konnte. Der ganze Verein befand sich im freien Fall. Bei der 1:4-Heimpleite gegen Lokalrivalen Manchester City gehen mit Best die Gäule durch und er springt seinem Gegenspieler Glyn Pardoe von hinten in die Beine. Pardoe bricht sich dabei Schien- und Wadenbein und entgeht nur knapp einer Amputation. Best Spielweise wurde zunehmend egoistischer und er verzettelte sich in Einzelaktionen.

Die sportliche Talfahrt war nicht mehr zu stoppen und auch finanziell dribbelte sich Geordie durch seine Spielsucht und gefloppte Investments ins Abseits. Auf die Ratschläge seines Freundes Summerbee, sich etwas zurückzulegen hatte der partywütige Best nie gehört. Schließlich suspendierte der neue Trainer Tommy Docherty Best im Jahr 1972 aus der ersten Mannschaft. Noch im selben Jahr verkündete Best vorerst seinen Rücktritt. Seine Tage bei den Red Devils waren gezählt. In 466 Spielen für die Engländer erzielte Geordie 178 Tore.

Nationalmannschaftskarriere

Aufgrund der Qualität seiner Mitspieler war es Best nie vergönnt an einer EM oder WM teilzunehmen. In seinem Heimatland wurde er trotzdem vergöttert. Bereits mit 18 Jahren gab er am 15. April 1964 sein Debüt gegen Wales. Einen legendären Auftritt in den Farben seines Heimatlandes absolvierte Best am 13. Oktober 1976 in den Niederlanden. Vor der Partie wurde Best gefragt, wer denn nun der bessere Spieler sei, er oder der Holländer Johann Cruyff. Best lachte und kündigte an Cruyff bei der erstbesten Gelegenheit zu tunneln, um zu zeigen wer der Beste sei. Bereits in der fünften Minute ließ Best Taten folgen und lief quer über den Platz um den Ball zwischen den Beinen des überraschten Holländers zu spielen. Nach der gelungen Aktion riss er die Faust demonstrativ in die Höhe. Ein Jahr später verabschiedete sich Best aus der Nationalmannschaft.

 George Best gilt als einer der besten britischen Fußballer aller Zeiten

 

Wanderjahre

Nach seiner Zeit bei Manchester pendelte Best einige Jahre zwischen den USA und Europa hin und her. Die Tempodribblings wurden immer seltener und der Alkohol hatte das Jahrhunderttalent immer fester im Griff. 1984 beendete er dann endgültig seine aktive Karriere.

Es folgten weitere Skandale. 1984 wurde er wegen Trunkenheit am Steuer und massiver Beleidigung eines Polizisten für kurze Zeit ins Gefängnis gebracht. Vier Jahre später konnte nur ein Abschiedsspiel die drohende Privatinsolvenz des Fußballers abwenden. Es folgten Talkshowauftritte in betrunkenem Zustand und Gerüchte über häusliche Gewalt. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich stetig und 2001 setzte er sich auf die Liste für eine Lebertransplantation. Best musste seinem Lebensstil und seiner Alkoholsucht Tribut zollen. 2002 wurde ihm eine neue Leber eingesetzt, doch er kam nicht von seiner Akoholsucht weg. 2003 musste er gar seine Trophäe zu Europas Fußballer des Jahres verkaufen um sich finanziell über Wasser zu halten. Damit seine neue Leber auch trotz seinem hohen Alkoholkonsum nicht abgestoßen wird musste Best immunsuppresive Medikamente einnehmen. Doch dadurch wurde eine Niereninfektion ausgelöst und am 25. November 2005 verstarb Best im Alter von nur 59 Jahren an Multiorganversagen.

 Tausende erwiesen dem legendären Fußballer die Ehre

Zurück in die Heimat

Geordie wurde am 3. Dezember 2005 in seiner Heimatstadt Belfast neben seiner Mutter beerdigt. Zu der Trauerfeier erschienen 100.000 Menschen, was dieses Begräbnis zu einem der größten dieser Art in der Geschichte Großbritanniens machte. Was bleibt ist eine unvergessliche Zeit im Manchester der 60er Jahre. Viele Spieler hatten längere Karrieren, viele waren erfolgreicher, aber für diese kurze Zeit schien ein Stern heller als alle anderen. Aus dieser Zeit stammt auch dieser Slogan: „Maradona good, Pele better, George Best.“

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