Franco Baresi – Il Capitano

Jede wirklich große Mannschaft braucht einen starken Kapitän. Einer der legendärsten Anführer in der Geschichte der Fußballs ist die italienische Ikone Franco Baresi.

Talentierte Familie

Am 8. Mai 1960 erblickte mit Franco Baresi, einer der prägendsten Fußballer Italiens das Licht der Welt. Francos Eltern starben noch bevor er 16 Jahre alt wurde und so wuchs er bei seinen älteren Brüdern in Travaglioto auf, einem verschlafenen Dorf in der Proviz Brescia. Durch diesen Schicksalsschlag mussten er und seine Brüder schnell erwachsen werden und sich alleine durchsetzen. Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsvermögen zeichneten seine großartige Karriere seither aus. Auch von Rückschlägen ließ sich Baresi nicht entmutigen.

Nicht nur Franco zeigte außerordentliches Talent für Fußball. Auch sein Bruder Giuseppe wurde ein sehr guter Fußballer. Als die beiden Baresi-Brüder 1974 ein Probetraining bei Inter Mailand absolvierten, erhielt nur Francos älterer Bruder einen Vertrag. Franco wurde gesagt, er sei körperlich zu schwach und solle im nächsten Jahr noch einmal vorbeikommen. Doch Franco ließ sich nicht so leicht abspeisen und versuchte sein Glück beim Lokalrivalen AC Mailand. Die Rossonieris erkannten sofort das einzigartige Talent von Franco und verpflichteten ihn für ihre Jugendabteilung.

Abwehrchef aus Leidenschaft

Seinen Einstand im Profifußball feierte Baresi am letzten Spieltag der Saison 1977/78. Der erst 17-Jährige wurde schon damals auf der verantwortungsvollen Position des Liberos eingesetzt. Eine Position die Baresi im Laufe seiner Karriere zur Perfektion bringen sollte. Bereits im folgenden Jahr erkämpfte sich Baresi einen Stammplatz auf der Liberoposition und gewann 1979 seine erste Meisterschaft mit Milan. Schon in jungen Jahren wurden klar das Baresi das Zeug dazu hatte einer der komplettesten Verteidiger aller Zeiten zu werden. Baresi war seinen Gegenspielern immer einen Schritt voraus. Sein späteter Teamkollege Ruud Gullit sagte einmal, Baresi hätte schon gewusst was der Stürmer als nächstes machen würde bevor es der Angreifer selbst wusste.

In der folgenden Saison belegten die Mailänder zwar am Ende der Saison einen akzeptablen dritten Platz, waren aber mit anderen Vereinen in einen der größten italienischen Bestechungsskandale verwickelt. Als Strafe mussten die Rossonieris zusammen mit Lazio Rom in die Serie B absteigen. Hier zeigte Baresi eine seiner weiteren Eigenschaften, bedingungslose Treue zum Verein. Zwar gewann Milan die Meisterschaft in der Serie B, nach einer sportlich enttäuschenden Saison musste das Traditionsteam jedoch nach einem drittletzten Platz in der Serie A 1982 erneut absteigen. Es folgte erneut der Gewinn der Serie B, ehe sich der Verein in der ersten Liga wieder etablieren konnte.

 Baresi blieb seiner Mannschaft stets treu

Konkurrenz in der Nationalmannschaft

Bereits bei der Heim-EM 1980 gehörte Baresi zum Kader der Squadra Azurra. Jedoch wurde er in keinem einzigen Spiel eingesetzt. Das gleiche Schicksal ereilte Baresi bei der WM 1982. Baresi musste den Sieg der Italiener von der Auswechselbank mitverfolgen. Der damalige Trainer Enzo Bearzot setzte zu dieser Zeit auf der Liberoposition auf Gaetano Scirea von Juventus Turin und sah Baresi eher im defensiven Mittelfeld, einer Postion auf der sich Baresi nie so recht wohlfühlte. Doch Baresi hegte keinen großen Groll gegenüber seinem Trainer und bezeichnete später die legendäre Abwehrreihe um Scirea als die beste italienische Defensive aller Zeiten. Viele Experten widersprechen ihm hier und sagen er selbst sei später Teil der besten Defensive aller Zeiten gewesen. Hier wird deutlich was für ein bescheidener Mann Baresi stets geblieben ist.

Bereits in der Saison 1982/83 wurde Baresi für seine konstant gute Leistungen und Vereinstreue mit dem Kapitänsamt belohnt. Baresi verkörperte den perfekten Verteidiger. Er war schnell, extrem zweikampfstark und eine seiner größten Stärken war der Spielaufbau. In den kommenden Jahren stabilisierte sich Milan stetig und am Ende der 80er-Jahre läutete das Team unter dem neuen Trainer Arrigo Sachi die erfolgreichste Zeit der Klubgeschichte ein. Internationale Stars wie Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard wechselten nach Mailand und die Mannschaft wurde 1988 Meister in Italien. 1989 wurde Baresi bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres Zweiter hinter seinem Teamkollegen Marco van Basten und wurde zum Spieler der Saison in der Serie A gewählt.

Seinen Status als Legende bei Milan festigte Baresi bereits 1989 als er beim Derby gegen Inter, nach einem Tackling von Inters Jürgen Klinsmann die komplette zweite Halbzeit mit einem gebrochen Arm weiterspielte. Natürlich spielte Milan auch an diesem Abend zu Null. Spätestens jetzt wurde Baresi mit Deutschlands legendärem Libero Franz Beckenbauer verglichen, der bei der WM 1970 beim Spiel gegen Italien ebenfalls mit einer Armverletzung weitergespielt hatte. Von diesem Derby an wurde Baresi von vielen in Anlehnung an Beckenbauer „Franz“ genannt.

In den folgenden beiden Jahren gewannen die Rossonieris zwei mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Baresi war der klare Chef der Mannschaft und bildete mit seinen Kollegen in der Abwehr Allesandro Costacurta, Maura Tassotti und Paolo Maldinini eine der besten Abwehrketten aller Zeiten. Ein Markenzeichen des Teams wurde die Abseitsfalle, die das Team im Schlaf perfekt beherrschte. So blieb das Team in der Saison 1991/92 ungeschlagen und kassierte 1993/94 nur 15 Gegentore und gewann den dritten Scudetto in Folge.

 Baresi war an der Spitze des europäischen Fußballs angekommen

Internationaler Durchbruch

In der Nationalmannschaft feierte Baresi erst bei der Europameisterschaft 1988 seinen großen Durchbruch. Unter dem neuen Nationalcoach Azeglio Vicini wurde Baresi endlich auf seiner Lieblingsposition eingesetzt und wurde Stammspieler. Seinen ersten Einsatz bei einer WM feierte Baresi 1990 bei der WM im eigenen Land. Erst im Halbfinale musste sich das Team nach fünf Spielen ohne Gegentor im Elfmeterschießen gegen Argentinien geschlagen geben. Baresi verwandelte seinen Elfmeter dabei kompromisslos. Nach dem Turnier wurde der Abwehrchef in die Top-Elf des Turniers gewählt.

Zum tragischen Nationalhelden wurde Baresi bei der WM 1994, seinem letzten großen Turnier. Bereits im zweiten Gruppenspiel verletzte sich Baresi am Meniskus und drohte länger auszufallen. Der Italiener entschied sich jedoch entgegen der Empfehlung von einigen Ärzten für eine sofortige OP und wurde noch rechtzeitig fit fürs Finale gegen Brasilien. Im Endspiel zeigte er noch einmal sein ganzes Können und schaltete die brasilianischen Ballzauberer für 120 Minuten aus. Später bezeichnete Baresi dieses Spiel als sein bestes aller Zeiten. Umso tragischer war sein Auftritt beim anschließenden Efmeterschießen. Der sonst so sichere Schütze jagte den Ball als erster Schütze Italiens über die Latte und nach dem auch Massaro und Baggio vom Punkt scheiterten, verlor Baresi sein zweites großes Elfmeterschießen. Noch im selben Jahr beendete Baresi seine Nationalmannschaftskarriere nach 81 Spielen für sein Heimatland.

Baresi nach seinem verschossenen Elfmeter gegen Brasilien 

 

Liebling der Fans

1996 gewann Baresi seine sechste Meisterschaft mit Milan und ein Jahr später beendeter er seine große Karriere und reichte die Kapitänsbinde an die nächste Milan-Legende Paolo Maldini weiter. Ganze 716 Partien absolvierte der Italiener für seine große Liebe. Die Milanistas wählten Baresi zudem 1999 zum Fußballer des Jahrtausends. Als Zeichen der Anerkennung erklärte der AC Mailand, sein Trikot mit der Nummer 6 nicht mehr zu vergeben. Über der Südkurve wird noch immer ein Banner gehisst mit der Aufschrift: „Es gibt nur einen Kapitän – Baresi“.

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